Thiele (54), war in den 1980er Jahren ein treffsicherer Stürmer bei Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach. Für die Flingerer erzielte er in 128 Bundesligaspielen 44 Tore, oft mit dem Kopf, weshalb ihn die Fans "Schädel" tauften.
Jetzt betreut er im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Werkstatt für angepasste Arbeit eine Seniorenteam und ist eine der "Fortuna-Legenden", die das Bürgerstiftungs-Projekt "Bolplatzhelden" begleitet. Neben Thiele sind unter anderem Egon Köhnen, Wilfried Woyke und Gerd Zewe jene Trainer, die Kinder im Alter zwischen 6 und 14 über die Woche verteilt auf verschiedenen Bolzplätzen in der Stadt(siehe Kasten) im Fußball unterrichten. Schirmherr ist Thomas Allofs.
Lothar Wolter ist der Leiter des Projekts, dass 2016 in sein 4. Jahr geht. "Bei uns sind im Schnitt pro Standort und Tag rund 25 bis 35 Kinder dabei. Mitmachen ist einfach - man kommt einfach dazu und los geht es", sagt er. Bis zu 5000 Euro beträgt das Budget, dass die Bürgerstiftung über Sponsoren für jeden Bolzplatz-Standort für die Saison, die bis Oktober läuft, aufbringt. "Da sind Leibchen und Getränke dabei, und natürlich müssen auch die Ex-Profis bezahlt werden", erzählt Bürgerstiftungs-Vorstandsfrau Sabine Tüllmann.
Am wichtigsten sei, die Kinder in Bewegung zu bekommen, Spaß am Sport zu vermitteln, so Wolter. Auf den Bolzplätzen am Fürstenplatz und in Benrath sind auch vermehrt Flüchtlinge am Start. "Und es bleibt dabei", sagt der Projekt-Chef. "Fußball ist einfach ein herausragendes Instrument für die Integration."
Für Günther Thiele ist der Freizeit-Kick aber auch eine Möglichkeit, versteckte Talente aufzuspüren. "Der Cyril dort oder der Cain (er zeigt auf einen dunkelhäutigen Spieler und einen im Bayern-Trikot) sind starke Fußballer. Da vermitteln wir auch schon mal an Vereine weiter." Die Idee findet er grundsätzlich super: "Das ist meines Wissens einmalig in Deutschland. Hier bringen einige Ex-Profis die Erfahrung von über 2000 Bundesligaspielen auf den Platz." Übertragen wird das in "eine Stunde -Technik-Schulung und viel Spielen." Da werden dann auch mal Länderspiele vom Vortag adaptiert oder ganze WM-Turniere absolviert. Thiele: "Und wir schulen auch eine gewisse Disziplin auf dem Feld, das Umgehen mit Niederlagen, Respekt und Achtung vorm Gegner."
Mit der Prominenz ihres Coaches können die Kids in der Regel auf Anhieb nichts anfangen. Da müssen dann die Eltern nachhelfen oder man recherchiert ein bisschen im Internet. Offenbar mit Erfolg: "Denn einige", so Günther Thiele, "haben mich hier auch schon 'Schädel' gerufen."